Wittow – das Windland

Den nördlichsten Teil unserer schönen Insel Rügen bildet die von Meer und Bodden umgebene Halbinsel Wittow. Weil hier oben, auf dem durch die Gletscher der letzten Eiszeit flach geschobenen Landstrich, stets eine frische Brise von See weht, trägt Wittow auch den Beinamen „Windland“. Dank seines sehr fruchtbaren Bodens ist Wittow aber auch als größtes Kohlanbaugebiet des Nordens bekannt. Alljährlich finden auf Rügen die Kohlwochen statt, in denen die hiesigen Gastonomen zeigen, welche schmackhaften Gerichte man aus Weiß- oder Rotkohl zaubern kann.

 

Auf die Halbinsel Wittow gelangt man entweder mit der Wittower Fähre oder auf dem Landweg über die Halbinsel Jasmund und einen etwa 10 Kilometer langen Landzugang an der Tromper Wiek. Die Schaabe, so der Name dieser Landverbindung, ist wegen ihres feinsandigen und von Dünenkiefern vor neugierigen Blicken abgeschirmten Strandes bei Urlaubern und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Absolut bemerkenswert: Mit einer Länge von unglaublichen 27,3 Kilometern, das entspricht über dreimal der gesamten Schaabe, wurde hier am 12. Juni 2011 von 8000 freiwilligen Helfern und den Machern des Sandskulpturenfestivals die längste Sandburg der Welt gebaut und der begehrte Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde erreicht.

 

Das Seebad Breege-Juliusruh begrüßt den Besucher als erster Ort auf Wittow. Es kann sich einer wahrhaft einmaligen Lage zwischen Bodden und Meer erfreuen. Hier findet man nahezu ideale Voraussetzungen zum Baden und für den Wassersport. Gepflegte Gaststätten und Cafés oder der nach historischem Vorbild wieder hergerichtete Landschaftspark laden zum Verweilen ein. Juliusruh ist aber auch ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad, z.B. zu den Leuchttürmen am Kap Arkona oder zu den archäologisch wertvollen Hünengräbern aus der Steinzeit oberhalb der Steilküste.

 

Den reizvollen Gegenpol zu Juliusruh am offenen Meer bildet in unmittelbarer Nachbarschaft das alte Fischerdörfchen Breege, direkt am Großen Jasmunder Bodden gelegen. Der Name des 1314 erstmals erwähnten Ortes stammt aus dem slawischen Sprachkreis. „Bregy“ bedeutet „Uferort“. Zahlreiche liebevoll restaurierte Kapitänshäuser zeugen von der großen Bedeutung des Breeger Hafens im 19. Jahrhundert. Vom Hafen aus fahren übrigens auch Fähren hinüber zur Insel Hiddensee oder Sie besuchen von hier aus zur Sommerszeit die Störtebeker-Festspiele auf der Naturbühne Ralswiek. Und es sei Ihnen versprochen: Schon allein die Fahrt durch die beeindruckende und vielgestaltige Boddenlandschaft ist auf jeden Fall den Preis wert.

 

Auf dem Weg in den Inselnorden sollten Sie es nicht versäumen, in Altenkirchen Station zu machen. Wie der Name es schon sagt, finden Sie hier eine der ältesten Kirchen der Insel Rügen überhaupt. Ganz genau wurde mit dem Bau der gotischen Backsteinkirche um das Jahr 1200 begonnen. Die hübsche Kirche galt schon früh und weit über die Grenzen Wittows hinaus als kultureller Anziehungspunkt. In den Geschichtsbüchern tauchen neben dem des hiesigen Pastors und Dichters Gotthard Ludwig Theobul Kosegarten solch bekannte Namen wie Ernst-Moritz Arndt, Friedrich Schleiermacher, Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge und Wilhelm von Humboldt auf, die hier während ihrer Rügenreisen einkehrten. Das Grab des 1818 gestorbenen Pastors Kosegarten, der besonders auch durch den Bau der schmucken Uferkapelle in Vitt und seine dortigen Uferpredigten bekannt geworden ist, liegt gleich neben dem Kircheneingang. Mit ihren relativ gut erhaltenen Stilelementen aus Romanik und Gotik, insbesondere mit ihren interessanten Fresken, gilt die Kirche unter Kennern als Juwel der damaligen Baukunst. Der sehenswerte Altar wurde 1724 von Elias Kessler gestaltet, ebenso der Taufengel. In der Pfarrkirche finden sich auch älteste Taufstein und der sogenannte „Svantevitstein“, der wohl das älteste und am besten erhaltene Zeugnis des vorchristlichen Svantikults auf Rügen ist.

 

Der nördlichste Punkt Wittows und damit auch von Mecklenburg–Vorpommern befindet sich übrigens nicht am berühmten Kap Arkona, sondern ein paar Meter weiter, am Gellort. Doch natürlich ist es das einzigartige Ensemble aus den beiden markanten Leuchttürmen, dem Marinepeilturm, den Resten des Burgwalls der ehemaligen slawischen Tempelburg Arkona und dem idyllischen Fischerdörfchen Vitt, weswegen das zum Flächendenkmal ernannte Gebiet zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten auf der Insel Rügen gehört. Das Auto muss man dabei in Putgarten stehen lassen, dessen großer Museumshof und zahlreichen Handwerkerstuben allein schon eine Reise wert sind. Weiter zu den beiden markanten Leuchttürmen und zum Marinepeilturm geht es von hier aus nur auf Schusters Rappen, mit dem Pferdefuhrwerk oder der gasbetriebenen Arkonabahn. Aber ganz egal, wie Sie sich diesem Orte nähern und auch unabhängig von den Jahreszeiten – das Kap Arkona ist wegen seiner vielen Sehenswürdigkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart wirklich immer eine Reise wert.

 

Je weiter die Route auf Wittow nach Westen führt, desto schöner wird die Landschaft. So wundert es auch nicht, dass unter Naturfreunden die Campingplätze Nonnevitz und Bakenberg schon lange einen wohlklingenden Namen haben. Die langgezogenen Strände sind feinsandig und weitgehend steinfrei. Dank ihrer Ausrichtung nach Norden finden Segler und Surfer hier zumeist auch eine herrliche Brandung und günstige Winde für ihr Hobby.

 

Der Nordwesten von Wittow um den Ort Dranske und den Bug war lange Zeit militärisches Sperrgebiet. Es gibt zwar seit Jahren recht ehrgeizige Pläne für eine touristische Belebung der Region, aber deren Realisierung lässt noch größtenteils auf sich warten. Naturfreunde sollten aber unbedingt einmal an einer der geführten Wanderungen über den Südbug teilnehmen und sich von der fast unberührten Schönheit dieses Landstrichs gefangen nehmen lassen.

 

Etwa 8 Kilometer von Dranske entfernt, am anderen Ufer des Wieker Boddens, liegt Wiek. Das beschauliche Dorf hieß zu slawischer Zeit „Medow“, was so viel wie „Honigort“ bedeutet. Im Mittelalter war Wiek dank seiner geschützten Lage der wichtigste Hafen auf Wittow und nach Garz sogar zweitgrößter Ort von ganz Rügen, weswegen sich hier auch eine ungewöhnlich große und durchaus sehenswerte spätgotische Backsteinkirche befindet.

 

Also, auf nach Wittow, es lohnt sich!