Mönchgut

„Fürst Jaromar II. verkauft dem Kloster Eldena bei Greifswald das Land Reddevitz mit der Heide für 30 Mark und die Ablösung einer Rente von sechs Mark jährlich…“ – Mit diesem Eintrag in die Geschichtsbücher begann im Jahr 1252 der Aufstieg jenes Landstrichs, der wir heute Mönchgut nennen. Fast 300 Jahre lang, nämlich bis ins Jahr 1535, lebten und arbeiteten die streng gläubigen Zisterziensermönche auf dem Mönchgut und prägten das Leben und die Mentalität der hier ansässigen Fischer-Bauern ganz entscheidend. Erst mit der Reformation in Pommern wurde das Klosterland säkularisiert, das heißt in herzöglichen Besitz überführt.

 

Der am Baaber Mönchgraben und dem markanten Tor über der B 196 beginnende südöstliche Zipfel unserer schönen Insel Rügen hat ca. 6.600 Einwohner, ist knapp 29 km² groß und verfügt dank seines zerfurchten Reliefs über eine Küstenlänge von rund 50 km, die sich auf 15 km Außenküste und 35 km Binnenküste verteilen. Viel Platz für Einheimische und Urlauber, für Angler, Wanderer, Radfahrer, Camper, Wassersportler aller Art…!

 

Das Mönchgut ist heute ein wesentlicher Bestandteil des Biosphärenreservates Südost-Rügen. Und als ob er den späteren Schutzstatus schon vorausgeahnt hätte, schrieb 1805 der Bergener Dichter und Heimatforscher Johann Jacob Grümbke: „… zog ich in Gedanken eine gerade Linie von Putbus über Cirkow nach Prora. Was jenseits derselben ostwärts liegt, das ist das wahre Paradies von Rügen.“

 

Zu den Ostseebädern Baabe und Göhren finden Sie, lieber Leser, ja an anderer Stelle auf dieser Website noch ausführliche Informationen. Unser kleiner Exkurs wendet sich hier deshalb anderen Orten zu. Im alten Ortskern des bezaubernden Dörfchens Middelhagen zum Beispiel haben sich einige interessante Spuren der Vergangenheit bis heute erhalten. Zuerst fällt natürlich die Kirche auf, gebaut im 15. Jahrhundert und damit eines der ältesten erhaltenen Gebäude auf Mönchgut. Historisch ist auch das Schulhaus, heute als Schulmuseum ein Außenstandort der Mönchguter Museen. Seit 1825 wurden hier die Mönchguter Kinder unterrichtet. Und wenn Sie Glück haben, findet gerade eine der regelmäßig abgehaltenen historischen Unterrichtsstunden statt, in der natürlich auch der Rohrstock nicht fehlt.

 

Auf dem Weg nach Lobbe passiert man ein altes Windrad, das 1930 zur Trockenlegung der feuchten Wiesen errichtet wurde. Als letztes seiner Art auf Rügen ist es heute ein technisches Denkmal. Von Lobbe bis hinunter nach Thiessow erstreckt sich ein wunderbarer Sandstrand, im Sommer bei Campern und Anhängern der Freikörperkultur gleichermaßen beliebt.

 

Biegt man auf halben Weg rechts ab, führt die Straße nach Alt Reddevitz. Bevor es Middelhagen gab, war Reddevitz der Hauptort dieser Region. Nicht von ungefähr wurde das Land beim Verkauf an die Mönche auch als Land Reddevitz bezeichnet. Zwar sind heutzutage in Reddevitz keine Zeugnisse aus der Geschichte mehr erhalten, aber Sie sollten den Ort trotzdem einmal besuchen, denn er erschließt Ihnen eine der schönsten Gegenden Rügens. Die Wanderung auf dem schmalen Landstreifen zwischen der Having und Hagenschen Wiek ist für jeden Naturliebhaber ein einmaliges Erlebnis und so wundert es nicht, dass auch der 121 km lange IVV-Rundwanderweg Südost-Rügen hier entlang verläuft.

 

Der südliche Teil des Mönchguts mit den Orten Klein Zicker und Groß Zicker, Gager und Thiessow wurde 1360 vom Kloster Eldena erworben. Wie viele andere Ortsnamen auf der Insel ist auch Zicker slawischen Ursprungs und könnte Meisenort heißen. Sehenswert ist auf jeden Fall die kleine, um 1400 erbaute Dorfkirche, in der bis heute die einzige mittelalterliche Glocke Mönchguts erklingt. Von vielen Postkarten und aus zahlreichen Prospekten bekannt ist auch das Pfarrwitwenhaus mit seinem wildromantischen Garten. Der sogenannte „Zuckerhut“ wurde im Jahre 1723 gebaut und ist damit eines der ältesten erhaltenen Häuser Rügens. Dort, wo früher die Pfarrwitwen mit ihren Kindern wohnten, sind heute von Zeit zu Zeit wechselnde Ausstellungen zu besichtigen.

 

In den Zickerschen Alpen, einer sanft geschwungenen Hügelkette mit phantastischen Aussichten ins Mönchguter Land, kann man im Wandel der Jahreszeiten herrliche Naturwanderungen unternehmen. Und vielleicht führt Sie ihr Weg dann auch nach Gager, wo Sie mit der Traditionsräucherei, einer Lachsfarm mit Erlebnisgastronomie und viel maritimen Ambiente ein interessantes Angebot zum Verweilen erwartet. Machen Sie also einen kleinen Bummel durch den beschaulichen Ort, und auch ein leckerer Fischimbiss am Hafen ist immer empfehlenswert.

 

In Thiessow, ganz an der Südspitze der Halbinsel Mönchgut, treffen sich alljährlich die Anhänger des Wassersports. Selbst in der kalten Jahreszeit machen der problemlose Zugang zur offenen See und die recht anspruchsvollen Strömungsverhältnisse diesen Küstenabschnitt für Segler und Surfer ganz besonders interessant. Einst hatten hier die Lotsen ihren Sitz und sorgten für eine sichere Zufahrt zum Greifswalder Bodden, nach Stralsund oder Greifswald. Der Lotsendienst war übrigens schon seit dem 17. Jahrhundert eine Pflicht der hiesigen Fischer und Bauern. Steigen auch Sie doch einmal auf den Lotsenberg und genießen Sie den schönen Rundumblick auf die angrenzenden Regionen! Und auch wenn die Lotsenstation von 1859 heute nicht mehr existiert – die alte Lotsenglocke und eine kleine Ausstellung über das Lotsenwesen können Sie sich in der örtlichen Kurverwaltung gerne ansehen.